Die Abenteuer der Schleicherbande

– in weiß-blau und andersfarbig

Balu zieht um

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Heute morgen war’s dann soweit!

Gestern hatte ich kurzfristig über’s Telefon Urlaub beantragt, meine Schwiegermutter zum Babysitten und den Schwiegervater gleichzeitig als Taxi zur Zulassungsstelle nach Kempten eingeteilt (danke! :-* ) – und nachdem ich dann abends vor Aufregung kaum einschlafen konnte, kam dann der langersehnte Morgen.

Murphy war für’s erste anderweitig beschäftigt und so stand ich tatsächlich kurz nach halb 8 vor den Türen der Zulassungsstelle, gab nervös die Versicherungsnummer und meinen Personalausweis ab und machte mich auf eine längere Wartezeit gefasst. Mein Wartezettel sagte nämlich „901 – es sind 6 Wartende vor Ihnen“.
Hm. Ich setzte mich, schaute mich um. „Bing!“ sagte die große Anzeigetafel und die 901 leuchtete auf. Ja wie jetzt? Vorgedrängelt? Aber ich beschwerte mich nicht …
Der junge Mann am Schalter hatte seinen zweiten Tag, war leicht nervös und amüsierte sich blendend über den ersten Teil meiner eVB-Nummer („HUPN…“) aber half mir zielsicher und schnell weiter. Ich war immer noch erstaunt, dass alles so glatt laufen sollte. Bezahlen, Schilder drucken lassen, temporären Schein abholen – und ab zum Bahnhof, im strömenden Regen. Mist! Das hätte jetzt doch echt noch ein paar Minuten warten können!
Im Bahnhof hatte ich sogar noch Zeit einen Kaffee zu organisieren, bevor es dann auf die Schienen ging.
kurzzeitkennzeichen

Auch unterwegs ging soweit alles gut: Umsteigen in Augsburg, erneute Kaffeepause, auch der ICE ist heute mal pünktlich. Wow. Sowas gibt’s echt?
In Nürnberg ist das Wetter zwar immer noch nicht prickelnd, aber zumindest ist es nur nasskalt und regnet nicht.
Das Wiedersehen mit Balu: er freut sich! (Also eigentlich freue ich mich, aber wir wollen mal nicht so penibel sein … ). Restliche Formalitäten abgeklärt, ab ins Auto, vorglühen, den Motor starten. Juhu, er läuft.

So langsam realisiere, dass das echt ist. Unser eigener VW-Bus. 33 Jahre alt. Ein Auto mit Geschichte, mit Macken. Ohne Servolenkung. Und wie alle alten VW-Busse: komplett untermotorisiert. Das Anfahren und Rangieren ist gewöhnungsbedürftig. Das große Lenkrad hat durchaus seine Berechtigung. Glücklich fahre ich vom Hof, auf der Suche nach der Autobahn, die mich nach Hause bringen soll.
Beziehungsweise: erstmal eine Tankstelle suchen … mit knapp über Reserve kommt man nicht weit.
Wo ist noch mal der Tankdeckel? Achja, auf der Beifahrerseite, zwischen Beifahrer- und Schiebetür. Aber verdammt: ich habe keinen extra Schlüssel für den Deckel. Und keiner meiner beiden Schlüssel passt. Der eine macht zwar ein Stück des Weges mit, gibt dann aber auf und beim anderen passt nur die Spitze rein. Grrrrrr! Erneuter Versuch – nichts.

Nach einem kurzen Telefonat mit einem verschlafenen Ehemann, beschließe ich zurück zum Händler zu fahren. Einfacher gesagt als getan, ich kenne mich in Nürnberg schließlich nicht aus. Aber es funktioniert, man zeigt mir den Trick und endlich, endlich schaffe ich es auch zu tanken. Sogar die richtige Sorte! 🙂
tanken

Balu und ich machen uns wieder auf den Weg. 70 sind erlaubt, 75 zeigt der Tacho. Irgendwie scheinen die Nürnberger aber gerne flott unterwegs zu sein, ich bin mit Abstand die langsamste.
Oh, der Tageskilometerzähler funktioniert irgendwie auch nicht, stelle ich fest. Und: war die Zahl auf dem Gesamtkilometerstand nicht schon vorhin exakt die gleiche?
Balu findet die Autobahn und schnurrt vor sich hin. Ein Radio hat er (noch) nicht, aber das beruhigende Dieselgedröhn des Heckantriebs erinnert mich unheimlich an vergangene Tage. Mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht fahre ich mit 110 km/h hinter einem LKW her.
Ehm, Moment! Habe ich das wirklich gerade gedacht? Doch, der Tacho zeigt 110 km/h und so langsam wird mir klar, dass wir es hier eher mit Geschwindigkeit-raten als „anzeigen“ zu tun haben … Zwischen 105 und 120 km/h ist so ein LKW im Normalfall schnell und ab und zu überhole ich auch einen. Meistens aber nicht, es ist unheimlich windig und ich habe auch ohne Überholen mit Windschatten genug zu tun. Immerhin jetzt die Gewissheit: auch der Gesamtkilometerzähler steht. Wie viele Kilometer Balu wohl schon ohne zurückgelegt hat?

on_the_road_again

Balu fährt brav, aber am Autobahnkreuz, das uns auf die A7 gen Süden bringen soll, werden wir jäh ausgebremst. Es geht nichts vorwärts, aber wirklcih gar nichts. Geduld ist nicht meine Stärke und Stop-and-Go ist nicht Balus große Leidenschaft. So jammern wir beide vor uns hin und fluchen und grummeln. Normalerweise würde ich in solchen Situationen den Motor ausmachen, aber Balu muss vorglühen. Und das tut er nicht nur ein-zwei Sekunden lang, sondern mit richtig Ausdauer. Auf die Art ist das Vorwärtskommen wenig spontan und so Feinstaub-terrorisiere ich dann eben die Umwelt.
Eine halbe Ewigkeit später sind wir dann tatsächlich auf der A7 und richtig eingeordnet und jetzt geht es zumindest in Schrittgeschwindigkeit voran. Schnell ist anders, aber die Leute um mich herum freuen sich über den Bulli. Oh, er setzt den Blinker, den lassen wir doch schnell vor!
Überhaupt: ich habe heute viele freundliche Menschen kennen gelernt. Ein LKW, der nach links ausweicht um mich in Ruhe einfädeln zu lassen (was die normalerweise eher nicht für einen PKW tun); andere VW-Busse jeglicher Generation, die lichthupend grüßen; Kinder winken; der Mann hinter mir auf dem Parkplatz an der Raststatt streichelt Balu sogar!
Aber unmittelbar nach der Pipi-Pause (mit Polizeikontrolle wegen des Kurzzeitkennzeichens oder alternativ wegen des Autos an sich, wer weiß das schon), staut es schon wieder. Wieder eine Baustelle, wieder einspurig, was für ein Mist.
Die komplette A7 hat sich in eine Baustelle verwandelt. Auch im Tunnel kurz darauf wird gebaut, aber hier geht es wenigstens zweispurig durch und der Verkehr fließt. Dafür lerne ich jetzt die Vorzüge von Balus Beleuchtung kennen: mit Kerzenschein würde ich wahrscheinlich ähnlich viel sehen. Wahnsinn … auch die Beleuchtung des Tachos ist ähnlich gut.

Aber dann läuft es tatsächlich. Ulm zieht an uns vorbei, Memmingen und dann fahren wir tatsächlich von der Autobahn ab! Und endlich, endlich sind wir auch zuhause!
Er ist da, er hat die erste Fahrt gut gemeistert! 😀

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